Interview zum Viewfinder – Musical

Viewfinder

Die Premiere des neuen Musicals „You’re My Loveprize in Viewfinder“ steht vor der Tür – und viele sind schon sehr gespannt!
Wir geben euch einen ersten Einblick in das Stück: in einem Gespräch mit der Regisseurin Koji.

– Wieso Viewfinder?

Wieso nicht? Die Überraschung schien für viele da draußen größer zu sein als für uns. Es ist eine großartige Geschichte, die sich auf einer Bühne toll erzählen lässt. Außerdem haben wir viele Boys Love-Freunde im Publikum. Warum nicht das Gute mit dem Guten verbinden? Eine Win-Win-Situation!

– Worum ging es bei der Konzeption des Stücks vor allem?

Ich versuche, jedes Stück unter einen Titel zu stellen. Nicht den Namen der Serie, das ist etwas anderes. Sondern unter ein Konzept, ein Gefühl, das es beim Publikum auslösen soll; ein Thema, das der Kern der Geschichte ist. Bei Kingdom Hearts II war das beispielsweise „Zuhause“, bei Chain of Memories „Hoffnung“. Ein emotionales Konzept, das jeden erreichen kann. Theater ist ein ungeheuer emotionales Konstrukt. Wenn man es nicht fühlen kann, kann man es nicht erleben. Viewfinder ist für mich vor allem Sehnsucht – erfüllte und unterfüllte. Da geht es um Menschen, deren ganzes Leben unter dem Gewicht ihrer Sehnsucht auf den Kopf gestellt wird. Oder völlig zerrissen. Jeder von ihnen geht anders damit um. Interessant ist, dass ausgerechnet der Schwächste von ihnen zum Schlüssel für alle scheinbar starken Charaktere wird. Das ist ein Konzept, das man in Boys Love häufig findet: Die Stärke der Schwachen.

– Was zeichnet die Inszenierung dieses Stückes aus?

Es ist wesentlich moderner als so gut wie alle unserer Stücke bisher. Das hat natürlich vor allem mit dem Stoff zu tun. Viewfinder spielt nun einmal heute und in unserer Welt. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Auf ein paar davon habe ich schon eine Weile gewartet. Die Atmosphäre, die wir in Viewfinder aufbauen wollen, ist eine sehr kontemporäre. Wir haben uns stark an modernen Lifestyle-Konzepten orientiert. Viele Strömungen unserer Zeit, die zum kontemporären Verständnis von Ästhetik beitragen, haben auch Einfluss auf unser Stück gehabt. Es ist eine Art Spagat zwischen der Art Déco-Epoche und den 2010er-Jahren. Und gleichzeitig versuchen wir, die unterschiedlichen abgebildeten Kulturen als ihr Spiegelbild, aber gleichzeitig auch als Abbild der Charaktere, die in der Viewfinder-Geschichte für sie stehen, zu inszenieren. Da gibt es das kontrollierte, nahezu geometrisch gezirkelte Japan mit einem Vertreter wie Asami, der so berechnend und gefühlsarm ist; das konservative, traditionsreiche China mit Feilong, einem sehr feinen und emotionalen Menschen, der tief in seiner Kultur verwurzelt ist; daneben das fast barbarisch laute, nordisch gewaltige Russland mit Mikhail Arbatov, der gerade heraus seine Interessen verfolgt – und daneben Akihito, durch den wir diese Geschichte erleben, der sich aus all diesen Konventionen durch seine scheinbare Normalität, seine Verletzlichkeit und seine doch alle und alles überwindende Kraft und Offenheit heraushebt und jedem dieser Charaktere ein Fenster aus seiner selbstgeschaffenen Welt aufreißt. Und das Ganze in einem scharfen, sehr glatten und modernen Setting. Und ganz privat – das muss ich nebenher bemerken – es ist das Stück, in dem ich mich selbst bisher am Meisten durchscheinen lasse. Das macht es für mich auch zu einem sehr persönlichen Experiment.

– Was kann der Zuschauer erwarten?

Viewfinder ist ganz klar ein Charakterstück, ähnlich wie 2010 Crisis Core. Der Zuschauer erlebt das Geschehen durch Akihitos Augen. Und Akihito ist auch der Charakter mit den „menschlichsten“ Gefühlen. Er ist verstehbar. Die anderen Charaktere werden es erst durch ihn. Der Zuschauer wird also drei Welten kennenlernen, durch drei Personen, die zunächst unverstehbar wirken – so ist es immer, wenn man jemanden erst kennenlernt. Und er wird wohl auch einen Favoriten haben. Wir erwarten zumindest ein wenig „Lagerbildung“: Team Asami gegen Team Feilong. Aber das ist ja auch ein Teil des Spaßes beim Thema Boys Love!

– Welche Probleme ergeben sich bei diesem Stück?

Wie bekommen wir alles in den gegebenen Zeitrahmen? Das ist tatsächlich das größte Problem gewesen – und das ergibt sich immer. Viewfinder ging leicht von der Hand. Sicher auch weil es besonders einfach und gleichzeitig reizvoll ist, eine Geschichte durch die Augen eines Identifikationscharakters zu erleben. Wenn ich selbst aber über etwas erzählen soll, das nicht so einfach ist, dann ist es, Asami darzustellen, ohne ihn zu einem Charakter verkommen zu lassen, der unsympathisch wirkt. Asami ist ein starker Pragmatiker; ein Mann, der sich selbst gegenüber rücksichtslos ist. Erst Akihito wird zu ihm zu etwas, das ihm etwas bedeutet. Ich denke, dass ihn das an einer gewissen Stelle selbst überrumpelt. Wie überraschend muss es sein, Liebe zu empfinden, wenn man keine wirkliche Selbstliebe hat? Und das passt auch gar nicht in sein Lebenskonzept. Aber er denkt um. Ab diesem Zeitpunkt wird er berührbar, verstehbar. Aber vorher kann man ihn schon so missverstehen, dass man kein Auge mehr für das hat, was in ihm passiert. Seine Wandlung ist still – im Gegensatz zu der von Akihito oder Feilong.
Schade ist, dass nicht alles in die Zeit und die Handlung gepasst hat, das wir gerne erzählt hätten. Nicht jede Musik ihren Platz finden konnte. Nicht jedes Element untergekommen ist. Aber das ist die Kürze der Zeit. Und wir möchten auch das Publikum nicht mit unnötigen Details langweilen. Nicht ohne Grund haben wir uns zu einem 70 Minuten-Rahmen für unsere Stücke entschieden. Ich denke, das wird der Aufmerksamkeit des Zuschauers und einem gelungenen Storybogen am Ehesten gerecht.

– Was ist besonders schön?

Ganz profan gesagt: Es ist eine wunderbare Abwechslung, auf der Bühne einen Anzug zu tragen. Kostüme in denen man sich gut bewegen kann! Das eröffnet neue Möglichkeiten und ist auch weit weniger anstrengend. Und auch kostengünstiger. Das hat uns sicher alle sehr gefreut.
Schön ist auch, eine Geschichte zu erzählen, die sich anfühlt wie eine Mischung aus einem Gangsterfilm á la Ocean‘s Eleven oder James Bond und einer Mercedes Benz-Kampagne. Der Coolness-Faktor ist extrem hoch! Das macht sich in Bild und Ton auf eine Art bemerkbar, die mir persönlich sehr gut gefällt. Ich habe mir für das Arrangement viel Zeit gelassen und habe sehr sorgfältig ausgewählt, was die Charaktere unterstreicht. Ich hoffe, das ist auch für das Publikum gelungen.

– Worauf freust du dich?

Das Feedback des Publikums! Wir hoffen natürlich, dass das Stück gefallen wird. Das ist letztendlich immer das Wichtigste. Wir haben hart dafür gearbeitet. Jetzt freuen wir uns darauf, das Tuch abzuziehen und das Ergebnis da draußen zu präsentieren!

Wir sehen uns am 1. August in Bonn!

3 Responses

  1. Melina says:

    Hey hab euch am Samstag 30.4.2016 auf der Dokomi gesehen und muss sagen ich war so hin und weg! Unglaublich! Ich liebe Viewfinder und konnte mir das als solch eine Aufführung gar nicht so richtig vorstellen aber ihr habt alles übertroffen! Respekt ihr seid wirklich der Wahnsinn. Da ich selbst super gern schauspielere und cosplaye habt ihr mich wirklich inspiriert!! Ich bin zwar in Theater/Musical AG gewesen in der Schule aber das was ihr da abgeliefert habt!!! Wow! Ein Traum bei sowas irgendwann auch mal dabei zu sein!! Lg Melina

  2. jo says:

    Thanks for staging a musical on viewfinder. Will u b posting pics of the musical??

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *


5 + = 6